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TONGESTALTUNG
im Prinzip die deutsche Bezeichnung für
"Sound-Design", wiewohl der Terminus als solcher ungenau
ist, da Ton in der Musik einen Ton aus einem Tonsystem
(temperiert) meint, während "Sound" für die
komplexe Fülle von Klang steht. |
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Offener Brief an alle Filmschaffenden Dieser Text wurde mit Hilfe vieler Tonleute verfasst, um Regisseuren und Produzenten verständlich zu machen, wie professionell der Ton am Set aufgenommen werden kann. Denn nur gemeinsam können wir versuchen einen guten Film zu machen. Damit Sie beurteilen können was nötig ist, um einen guten Ton aufzunehmen und um zuverhindern, dass unüberlegte Entscheidungen dem Film schaden, möchten wir Ihnen einige wichtige Informationen mit diesem Text zukommen lassen. Bei Ihren Entscheidungen wird Ihnen dieses Wissen helfen einige Hindernisse zu überwinden, die zur Aufnahme eines guten Tones unabdingbar sind. Wir
leben im Zeitalter des digitalen Tons. Kinos haben SDDS, DTS,
Dolby, THX und Surround.Manchmal haben die Leute zu Hause sogar
eine bessere Technik als die Kinos. Diesesintelligente Publikum
verlangt nach DVD's mit einer hohen Tonqualität, was wiederum
zur Folge hat, dass die Tonabteilungen aufgrund der hohen
Anforderungen immer mehr Probleme zu bewältigen haben.
DAS PROBLEM wir, Ihre Toncrew, haben die Aufgabe und Pflicht den Originalton während der gesamtenDreharbeiten aufzuzeichnen. Anders als bei den meisten Abteilungen, deren Arbeitsergebnisse vor der Kamera zu bewundern sind, können die Bemühungen des Tonmeisters am Set nicht direkt wahrgenommen werden. Nur wenig wird auf unsere Bedürfnisse bei den Dreharbeiten Rücksicht genommen. Viele wissen nicht einmal was wir genau machen. Im Folgenden einige Beispiele: Unser Job beinhaltet oft die Überwachung des Sets hinsichtlich unnötiger, unbeabsichtigter, ignoranter oder manchmal auch böswilliger Aktionen (manchmal auch das Fehlen jeglicher Aktionen), die den Soundtrack womöglich gefährden könnten. Oftmals sind wir sehr frustriert über die Aufnahme-Bedingungen an den meisten Sets. In der Regel werden wir mit unseren Problemen jedoch allein gelassen. An Stelle dessen würden wir gerne mit der Regieassistenz oder anderen Personen am Set zusammenarbeiten, denn schließlich verursachen letztendlich einige dieser Leute unsere Probleme. Tonleute werden am Set jedoch oft als leidiges Hindernis angesehen. Wir möchten jedoch weder behindern noch stören und auch bestimmt nicht als „Ton Polizei“ betitelt werden. Dies
soll nicht bedeuten, dass eine gute Tonaufnahme nur durch diverse
Änderungen am Set und zusätzlichen Kosten erreicht
werden kann. Wir sind uns der Beschränkungen durch unser
Equipment durchaus bewusst. Von unserer Technik brauchen wir keine
Wunder zu erwarten. Aber trotzdem sollten mögliche Probleme
immer gleich am Set gelöst werden, denn ungelöste
Tonprobleme tauchen in der Postproduktion sowieso wieder auf.
FRÜHER UND HEUTE Um unsere heutigen Probleme verständlich zu machen, müssen wir ein wenig in dieVergangenheit eintauchen. Laut der damaligen Arbeitsbeschreibungen war jedes Mitglied des Teams, dass - in welcher Form auch immer - mit dem Set in Berührung kam, nicht nur dazu angehalten auch auf den Ton und die Bedürfnisse der Toncrew zu achten, sondern geradezu dazu verpflichtet. Dies bedeutete, dass jede Person darauf achtete, dass der Originalton möglichst gut aufgenommen werden konnte. Und das nicht, weil man Tonleute damals mehr mochte, sondern weil die Achtung vor dem Ton einfach zum Job gehörte. (Früher gab es noch keine Ton-Postpro im heutigen Sinn!) Heutzutage glaubt das Team am Set nicht mehr im mindesten dem Ton assistieren zu müssen. Der Ton ist keine Gemeinschaftssache mehr. Keiner fühlt sich verantwortlich oder angesprochen. Der Toncrew wird die volle Tonverantwortung für die Arbeit am Set übertragen, die das Gesamtset jedoch nicht kontrollieren kann und demnach hierfür keine volle Verantwortung tragen kann. Der Ton am Set muss wieder zur gemeinsamen Sache erklärt werden. Alle anderen Teams arbeiten für den sichtbaren, jedoch nicht hörbaren Teil des Films. Jede einzelne Person, egal ob für Make up, Requisiten oder Garderobe zuständig, konzentriert sich auf das was nachher im Sucher zu sehen ist. Wegen
eben dieser Engstirnigkeit der Personen, die lediglich für
das Sichtbare arbeiten und dabei den Ton bewusst vernachlässigen,
haben wir umfassende Probleme. Nur Sie können Ihrer
Tonabteilung helfen diese Probleme zu lösen. Der Punkt ist,
dass nicht jedes Geräusch am Set unserer Arbeit dienlich ist.
Viele Geräusche verursacht das Technikpersonal, die Technik
selbst, Requisiten, Kleidung und und und. Sind das alles nur
Probleme des Tonteams? NACHVERTONUNG Es
ist wichtig einmal klar zu machen, welche schwerwiegenden
Konsequenzen der Ausruf am Set Nachsynchronisierung ist nur dann eine Antwort, wenn alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft sind. Es kann nicht sein, dass aus Faulheit nachträglich vertont wird, obwohl die meisten Probleme mit etwas Kommunikation und Knowhow auch am Set hätten gelöst werden können. Synchronisieren bedeutet immer einen künstlerischen Kompromiss einzugehen, der einen Film mehr oder weniger stark schaden kann. Sicherlich ist Ihnen bekannt, dass ein Schauspieler am Set fast immer besser ist, als in einem sterilen Studio-Aufnahmeraum, der zur Synchronaufnahme genutzt wird. Der Darsteller, seine Bewegungen, die Umgebung, das Set, das alles macht eine Stimme dreidimensional und lebendig. Keine Studio-Synchronisation kann diese Lebendigkeit nachahmen. Wenn
Sie also unbedingt nachträglich vertonen müssen, dann
sofort. Am besten noch am Set, oder in der Nähe und sofort
nachdem die Szene im Kasten ist. Die Performance der Darsteller
wird stimmlich viel gelungener und lebendiger klingen.
Mittlerweile haben sich auf Grund dieser Erfahrungen Firmen
gegründet, die sich auf diese Art der Vertonung spezialisiert
haben und mit mobilen Aufnahmevorrichtungen am Set zur Verfügung
stehen. TONPROBLEME AM SET Um
diese bestmöglichst zu unterbinden, macht es Sinn, sich mit
den einzelnen Teams vorDrehbeginn über mögliche
Audio-Probleme zu unterhalten und auch während der
Arbeitenandauernd zu kommunizieren. Denn oftmals fehlt nur ein
wenig Zeit um diese zu lösen oder im Vorfeld zu vermeiden.
VORBEREITUNG Ebenso
wie der Kameramann schon von Anbeginn mit einbezogen wird, sollte
auch derTonmensch bei allen Vorbereitungen zugegen sein. Bei der
Motivsuche sollte er die Möglichkeit haben die
Umfeldgeräusche zu analysieren und zu prüfen, noch bevor
die Produktion festlegt, wo gedreht wird. So können Kosten
schon im Vorfeld vermieden werden. MOTIVSUCHE UND AD - AUFNAHMELEITUNG Diese Abteilung muss mehr denn jede andere mit den Tonleuten zusammenarbeiten. DieMotivsuche sollte immer auch die Belange des Tons in Anbetracht ziehen. Motive mit viel Verkehr,Flugzeuggeräuschen, Schulen, oder sonstigen Einrichtungen sollten, wenn sie für den Film nicht absolut notwendig sind, immer vermieden werden. Auch eine Vielzahl von leiseren Geräuschen können zu einem Problem werden. Daher ist auch immer darauf zu achten, dass Computer nicht laufen, Kühlschränke auszustellen sind und diverse andere Geräuschquellen jederzeit abstellbar sind. Es
bietet es sich an, Drehorte zu suchen, an denen man auch nach
Geschäftsschluß drehen kann. Ebenso sind Räume
geeignet, die vollkommen abschließbar sind, so dass keine
Außengeräusche eindringen. Achtung vor Parkettböden,
die durch Quietschen oder Knarren ganze Filme zerstören
können! SZENENBILD 1.
Vor der Einrichtung des Sets sollte das Szenenbild alle
Einrichtungsgegenstände, dieGeräusche verursachen, mit
dem Ton besprechen. REGIEASSISTENZ / AUFNAHMELEITUNG 1.
Wenn Sie für Außendrehs die Polizei bezahlen, dann
versuchen sie diese auch vielfältig zu nutzen. Der Verkehr
sollte für den Ton beispielsweise abgesperrt werden.
PRODUKTIONSLEITUNG 1.
Es macht Sinn drei Tonassistenten am Set zu beschäftigen. In
Notsituationen kann diese dritte Person Probleme lösen,
während die Dreharbeiten normal weitergehen können. Wenn
ein Angler wegen Krankheit ausfällt, hat man zudem immer
einen Ersatz, der in die Drehsituation nicht eingearbeitet werden
muss. KAMERA CREW Kameraassistent:
Kameraoperator:
Chef-Kameramann:
Bei
Szenen mit Autos sollte vorher mit dem Ton zusammengearbeitet
werden. Vielleicht kann man so einleuchten, das die Autofenster
beim Drehen geschlossen werden können. SPECIAL EFFECTS TEAM 1.
Wenn Regen gemacht wird, ist darauf zu achten, dass die
Regenmaschinen in weiter Ferne stehen. GARDEROBE 1.
Baumwolle ist unser Freund. Seide ist unser Feind. Die Garderobe
kann behilflich sein drahtlose Mikros bestmöglich zu
platzieren. In diesen Fällen sollte das Kostüm
vorsichtlich sein mit Bemerkungen über Ausbeulungen, denn
diese verunsichern die Darsteller. Geräuschvolle Kleidung
sollte immer vermieden werden. REQUISITE Geräuschvolle Requisiten sind grundsätzlich zu vermeiden. 1.
Der Einsatz von Waffen ist immer mit dem Ton abzusprechen.
DREHBÜHNE / BAUBÜHNE 1.
Der Dolly sollte keine Geräusche verursachen.
BELEUCHTUNG 1.
Generatoren sind so weit wie möglich (min. 50 m)
aufzustellen. Wenn möglich, sollten
CATERING Alle Kaffeemaschinen usw. sind so weit weg wie möglich vom Set zu platzieren. FAHRER / AUFNAHMELEITUNG / REGIEASSISTENZ 1.
Versuchen Sie laute im Bild "mitspielende" Fahrzeuge mit
Muskelkraft zu schieben oder zu ziehen. Zu diesen Punkten kann man mittlerweile schon einige Firmen hinzuziehen, die sich auf das Umbauen von Autos zum geräuschlosen Fahren spezialisiert haben. DARSTELLER Für
den Ton ist ein lauter Darsteller ein guter Darsteller. Darsteller
lernen im Laufe Ihrer Karriere nicht nur ihr Spiel zu verbessern,
sondern auch ihre Art und Weise zu sprechen und zu intonieren.
REGISSEURE Mit dem Ton muss genauso kommuniziert werden, wie mit der Kamera, den Autoren, den Cuttern oder Komponisten, denn auch wir helfen bei der Realisierung Ihrer Vision. Lassen Sie es nicht soweit kommen, dass man den Tonmeister und sein Kommen immer mit schlechten Nachrichten verbindet. Auch er will nur helfen und ein bestmögliches Produkt herstellen. Ihr Tonmeister wird das spüren und seine Arbeit wird darunter leiden, aus einem guten Projekt kann so ein schlechter Film werden. Der Tonmeister wird als Garant um einen guten Ton kämpfen. Danken Sie ihm seine Bemühungen und kommunizieren Sie mit ihm. Oftmals kostet der Unterschied zwischen einem guten und schlechten Ton nur fünf Minuten. Sollten wir diese Minuten nicht immer haben ? Oftmals können wir am Set Probleme in wenigen Minuten lösen, für die wir in der Endfertigung mehrere Stunden benötigen. So einfach es Ihnen also vorkommen mag: Je mehr die Belange des Tons in die Postproduktion geschoben werden, umso so teurer und schlechter ist das Ergebnis. 1. ÜBERSCHNEIDUNGEN sollten
weitesgehend vermieden werden. Im Schnitt kann man mit einem „nur
Ton“ einen Overlap kreieren, sollte man diesen aus
künstlerischen Gründen wollen. Für den Ton jedoch,
sowie für die ungeschränkte Schnittmöglichkeiten
sollten nicht mehrere Darsteller auf einmal sprechen.
2. MEHRERE KAMERAS sind
des Tonmeisters Alptraum, wenn sie nicht alle dieselbe Entfernung
zum Darsteller 3. PROBEN mindestens der Angler sollte den Stellproben beiwohnen. „Risiko-Drehs“ gehen meistens zu Lasten des Tons. 4. FLUGZEUGE auch wenn es sich kompliziert anhört. Machen Sie lieber viele kleine Szenen ohne die Flugzeuge, als zu riskieren, dass mitten in einer Szene eins durch das Bild fliegt. Besser ist es jedoch diese Motive gleich auszusparen und woanders zu drehen. 5. LAUTE DARSTELLER ermutigen Sie ihre Darsteller so laut wie möglich zu sein. An belebten Orten wie in einer Bar, sogar auch gerne unnatürlich laut. 6. BILDER OHNE DIALOGE & NUR TÖNE bei
Bildern ohne Dialog ist es dem Team oft zu anstrengend ruhig zu
sein. Dies ist jedoch enorm wichtig. Auch Bilder die nur von
Geräuschen leben, sollten für den Ton original
aufzunehmen sein. 7. DER DRITTE MANN verlangen Sie eine Toncrew mit drei Tonleuten am Set. Dies ermöglichst einen schnelleres und besseres Arbeiten. 8. MOTIVE wenn Sie ein tonunfreundliches Motiv wählen, überlegen Sie sich bitte gleich, wie die womöglich störenden Hintergrundgeräusche in den Film passen. ABSCHLIESSEND Nach diesem Text werden wir am Set hoffentlich nicht mehr hören „das macht die Postpro“, sondern „lasst uns dieses oder jenes Problem am besten gleich lösen“ . Vielleicht wird nun niemand mehr sagen, dass er Synchronsprechen hasst, ohne uns dann am Set zu unterstützen. Vielleicht werden wir nun alle am gleichen Strang ziehen und aktiv ein unnötiges Nachsynchronisieren verhindern. Bedenken Sie immer, dass wir gerne für Sie arbeiten und nur versuchen einen guten Job zu machen. Auch uns ist es wichtig, dass wir Stolz auf das sein können, was wir abliefernund uns freuen, wenn wir unsere Namen im Abspann lesen. Der
Ton Kollektivarbeit verschiedenster Tonleute
im web (recordingartsforum): John Coffey mit der Unterstützung
von Klay Anderson, Brydon Baker, Mike Barnitt, Darren Brisker,
Joseph Cancilla, Carl Cardin, Peter Devlin, Carl England, Mike
Filosa, Stu Fox, John Garrett, Alexandre Gravel, Robert Gravenor,
Mike Hall, Hans Hansen, Larry Long, David Marks,
Übersetzung: Anthony Airon Oetzmann,Tina Jaschul - Grundy TV Überarbeitung:
J.U.Lensing |